Die bedauerlichen Krawalle haben viele Ursachen, die sich über Jahre addiert haben. Bemerkenswert erscheint mir bei der hohen Intensität und langen Dauer dieser Unruhen in den grossen Städten wie Athen, Thessaloniki, Patras, Heraklion Folgendes: Kein Tourist oder Fremder wurde während der andauernden Ausschreitungen verfolgt oder bedroht. Weder die Polizei noch die militanten Demonstranten und Krawallmacher haben fremdenfeindliche Motive verfolgt.
Der Fremde steht nach wie vor unter dem Schutz des uralten Gastrechtes, insbesondere auf dem Lande. Die kleinen Städte und die Dörfer insbesondere auf den Inseln gehören nach wie vor zu den sichersten Reiseländern dieser Erde. Die überaus lästige Kleinkriminalität sowie das Belästigen von Frauen wie wir es leider aus vielen Ländern kennen, bestimmt in Griechenland nicht die Tagesordnung.
Leider hat sich die Politik in den vergangenen Jahrzehnten genauso wenig den Ruf des Fortschrittes erworben wie in unseren Landen. Bezeichnender Weise sind Regierung und Opposition Familienunternehmen a la Herrn Koch in Hessen. Der Vater von Herrn Karamanlis war bereits Regierungschef und Parteiführer der konservativen Nea Dimokratia, Grossvater und Vater von Herrn Papandreou waren bereits Chef der sich sozialistisch nennenden PASOK bzw. deren Stammzelle sowie viele Jahre Premierminister.
Die "Globalisierung" und der Euro haben auch in Griechenland gewirkt. Auf der einen Seite hat der politische Klüngel Dank Informationvorsprung erfolgreich die EU Kassen angezapft. Für den Rest des Landes sind wegen des Euros die Preise für viel Schnickschnack gefallen. Viel Lebensnotwendiges ist aber ums Dreifache gestiegen, insbesondere die Lebensmittel. Daher kaufen die Einwohner besonders Obst und Gemüse auf den samstäglichem Wochenmärkten ein, weil die Bauern dort ihre Ware billiger als die Supermärkte anbieten. Die Mieten sind sehr hoch. Die Einkünfte der Arbeiter und Angestellten in der Regel die Hälfte bis 2 Drittel geringer als bei uns.