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Kommentar zu den städtischen Unruhen

Die bedauerlichen Krawalle der Vergangenheit hatten viele Ursachen, die sich ĂĽber Jahre addierten. Bemerkenswert erscheint mir bei der hohen Intensität und langen Dauer dieser Unruhen in den grossen Städten wie Athen, Thessaloniki, Patras, Heraklion Folgendes: Kein Tourist oder Fremder wurde während der andauernden Ausschreitungen verfolgt oder bedroht. Weder die Polizei noch die militanten Demonstranten und Krawallmacher haben fremdenfeindliche Motive verfolgt.

Der Fremde steht nach wie vor unter dem Schutz des uralten Gastrechtes, insbesondere auf dem Lande. Die kleinen Städte und die Dörfer  insbesondere auf den Inseln gehören nach wie vor zu den sichersten Reiseländern dieser Erde. Die ĂĽberaus lästige Kleinkriminalität sowie das Belästigen von Frauen wie wir es leider aus vielen Ländern kennen, bestimmt in Griechenland nicht die Tagesordnung. 

Leider hatte sich die Politik in den vergangenen Jahrzehnten genauso wenig den Ruf des Fortschrittes erworben wie in unseren Landen. Bezeichnender Weise sind die vergangenen Regierungen Familienunternehmen a la Herrn Koch in Hessen gewesen. Der Vater von Herrn Expremier Karamanlis war bereits Regierungschef und ParteifĂĽhrer der konservativen Nea Dimokratia,  Grossvater und Vater von Herrn Papandreou waren bereits Chef der sich sozialistisch nennenden PASOK bzw. deren Stammzelle sowie viele Jahre Premierminister.  Was die neue Regierung bringt wird man sehen. Es ist aber zu bezweifeln, dass man Probleme lösen kann, wenn man nicht ĂĽber diese spricht. Die Probleme sind ein seit Jahrzehnten völlig ĂĽberzogener Militärhaushalt aus dem bis zu 80% der Schulden Griechenlands stammen, sowie ein öffentlicher Dienst, der die Wirtschaft Griechenlands bisher mehr geschädigt hat, als ihr zu dienen. Ăśber die Finanzprobleme durch das Militär wagt man noch nicht einmal im Kafenion, dem griechischen Stammtisch laut nachzudenken. Auch die vielbeschworenen Kirchenväter in Griechenland und Europa jedweder Couleur ĂĽben sich in Stillschweigen oder verweisen auf Probleme in der 3. Welt, die sich in kritischen Punkten wie Waffengeschäften, aus der Welt des deutschen Klerus zumindest eines mahnenden Zeigefingers erfreuen darf.  

Was eine Politik, Religion ob griechisch oder europäisch an dieser Misere ändern will, ohne diese Probleme intensiv zu diskutieren ist mir völlig schleierhaft.

Die "Globalisierung" und der Euro haben auch in Griechenland gewirkt. Auf der einen Seite hat der politische KlĂĽngel Dank Informationvorsprung erfolgreich die EU Kassen angezapft. FĂĽr den Rest des Landes sind wegen des Euros die Preise fĂĽr Schnickschnack gefallen, fĂĽr Lebensnotwendiges gestiegen, insbesondere fĂĽr die Lebensmittel. Daher kaufen die Einwohner besonders Obst und  GemĂĽse auf den samstäglichem Wochenmärkten ein, weil die Bauern dort ihre Ware billiger als die Supermärkte anbieten. Die Mieten sind nach wie vor sehr hoch, 25% der Bevölkerung haben kein Geld um Wasser und Strom zu bezahlen. Die EinkĂĽnfte fĂĽr einen 8 Stunden Job in der freien Wirtschaft (ich schäme mich fĂĽr deutsche Firmen) betragen nach Abzug von Steuer und Sozialversicherung häufig nur 400€, wer 600€ bekommt darf sich glĂĽcklich schätzen. Aus meiner Sicht ist diese Katastrophe in Gemeinschaftsarbeit europäischer Politiker entstanden. Ich habe Griechenland als armes Land kennengelernt, das harte Lebensbedingungen hatte. Die Menschen wussten mit ihren schmalen, aber selbst erwirtschafteten Einkommen zu leben. Nach 30 Jahren EU weiss das niemand mehr und selbst wenn er wollte sind Kraft und Mut dafĂĽr nicht mehr vorhanden. So einfach lässt sich nicht aufs Land zurĂĽckkehren.   

Die Landflucht der letzten 30 Jahre hatte sich vor der Krise nicht wie nach dem Krieg in die Auswanderung begeben sondern in die griechischen Städte. Die Arbeitsbeschaffung der Regierenden Parteien lag bisher im öffentlichen Dienst, was natĂĽrlich an seine Grenzen stösst. Seit der Krise sind inzwischen soviele ins Ausland emigriert, dass die griechische Rentenversicherung als gefährdet gelten muss und damit alle Prognosen von einer wirtschaftlichen Wiederbelebung. Das wirklich VerrĂĽckte ist, das Griechenland ein grosses touristisches Potenzial hat, das ungenutzt daniederliegt. warum gibt es in Spanien und der TĂĽrkei Tourismus das ganze Jahr und in Griechenland bei gleichen oder besseren klimatischen Bedingungen nicht? 

Es ist wie bei uns: In Deutschland steht der Tourismus an dritter oder vierter Position bei der Schaffung des Bruttosozialprodukts. Was wird in der wunderschönen HĂĽgellandschaft zwischen Schwarzwald und Rhein gemacht?  Weinstöcke werden herausgerissen, Kirschbäume abgesägt um Platz fĂĽr den Anbau von Mais fĂĽr Schweinefutter oder "Biodiesel" zu schaffen. Dass die Wertschöpfung solcher Art (abgesehen von der Naturzerstörung ) , geradezu lächerlich ist wagt niemand von unseren Verantwortlichen laut anzudenken. Fortschrittlicher Tourismus kann halt nur mit einer ästhetischen Landschaft einhergehen.

InselWanderungen, Martin Frank, Freiburger Straße 57, 77749 Hofweier